Fallstudie „Winnenden“

Posted on Apr 28, 2014

DEU BW Schule Amok Jahrestag

Wie Sie mit dieser Fallstudie arbeiten können

Traumajournalismus ist eine Herausforderung, auch für erfahrene Journalistinnen und Journalisten. Gewohnte Interviewtechniken funktionieren häufig nicht mit einem traumatisierten Gegenüber. Augenscheinlich „normale“ Recherchefragen können heftige Reaktionen auslösen. Ein falsches Wort oder Detail kann zum Abbruch eines Kontaktes führen. Für Berichte über Verlust, Unglück und Gewalt müssen wir „auf Sendung“ und „auf Empfang“ sein, uns auf unser Gegenüber einlassen und dürfen gleichzeitig die journalistische Distanz nicht verlieren. Wir brauchen zusätzliche fachliche und menschliche Kompetenzen, die in der journalistischen Ausbildung nur selten vermittelt werden. Stattdessen finden wir uns aber häufig unvermittelt in ethischen und fachlichen Dilemmas wieder, die uns überfordern. Denn meist bekommen wir – oder nehmen wir uns – im Redaktionsalltag nicht genug Zeit und kollegialen Austausch, um uns zu positionieren, um angemessen zu berichten und womöglich sogar gemeinsam aus Fehlern zu lernen.

Die Fallstudien des Dart Centres sollen diese Debatte ermöglichen. In Erfahrungsberichten und realen Beispielen werden journalistische Dilemmas aufgezeigt und Lösungsvorschläge präsentiert, die Sie anregen sollen, eine eigene Haltung zu entwickeln.

Jede Fallstudie besteht aus mehreren Kapiteln, die wieder in Unter-Kapitel aufgeteilt sind. Wir laden Sie als Leserinnen und Leser ein, nach jedem dieser Abschnitte eine Denkpause zu machen. Fragen Sie sich, welche Relevanz dieser Textabschnitt für Ihre eigene Arbeit hat und wie Sie entschieden hätten, bevor Sie weiter lesen. Wenn Sie unsere Fallstudien in der Aus- und Fortbildung einsetzen wollen, können Sie sie auch Seite für Seite an Ihre Schülerinnen und Schüler aushändigen und über jeden Abschnitt miteinander sprechen, bevor Sie weiter lesen.

Die folgende Fallstudie von Stefanie Friedhoff beleuchtet die Dilemmas und Entwicklungen in der Redaktion der örtlichen „Winnender Zeitung“ nach dem dortigen Amoklauf 2009. Wie geht man angemessen mit den Betroffenen und Angehörigen, mit dem Täter oder auch mit den anderen, überregionalen Medien und ihren Grenzüberschreitungen um? Von den Erfahrungen der Winnender Lokalredaktion können andere nur profitieren, sagt der Chefredakteur des Winnender Zeitungsverlages, Frank Nipkau, „denn wenn Sie erst am Morgen eines solchen Ereignisses darüber nachdenken, wie Sie als Zeitung reagieren, dann haben Sie keine Chance mehr, zu diskutieren.“

Die gesamte Fallstudie Winnenden von Stefanie Friedhoff als PDF herunterladen