2A - Erfolgreiche Recherche

Posted on Apr 28, 2014

Voriges Kapitel:1C - Schwarze Zeitung, schwarze Hände

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Erfolgreiche Recherche

Schnell war am Tag des Attentates bekannt geworden, dass es sich bei dem Täter um einen 17-jährigen Berufsschüler handelte, der erst ein knappes Jahr zuvor auf der Albertville-Realschule seinen Abschluss gemacht hatte.

Für die Redaktion der Waiblinger Zeitung war es nicht schwer, mehr über ihn und seine Familie herauszufinden: Der Vater war ein angesehener Unternehmer, leitete eine Firma in einem Nachbarort. Zudem war er ein geübter Sportschütze im örtlichen Schießsportverein und hatte seinen Sohn schon mit 14 Jahren zu Schießübungen mitgenommen.

Polizisten, die wenige Stunden nach den Geschehnissen in der Schule das Elternhaus des Täters gestürmt hatten, fanden 14 Waffen im Waffenschrank des Vaters. Eine 15. Waffe bewahrte der Unternehmer unverschlossen im Schlafzimmer auf. Der Jugendliche konnte sie problemlos entwenden, ebenso wie mehrere hundert Schuss Munition, und damit sein Attentat ausführen.

In der Lokalredaktion wurden nach und nach auch genauere Details über das Vorgehen des Täters in der Schule bekannt: Er war gezielt auf die 9. und 10. Klassen zugegangen. Er ermordete überwiegend Mädchen und Lehrerinnen. Er tötete die meisten seiner Opfer sehr gezielt mit einem Kopfschuss.

Ein Blick ins Archiv brachte unterdessen eine unerwartete Entdeckung: Die Redaktion besaß mehrere Fotos vom Täter als Elfjährigem. Er war als Sporttalent und erfolgreicher Tischtennisspieler mehrfach geehrt und in der Zeitung abgebildet worden. Ein journalistisch erfolgreicher Fund, aber auch eine ethische Herausforderung.