„Hilfreich, überfällig, notwendig“

Posted on Mai 15, 2014

Lesen Sie hier einige Eindrücke (Testimonials) der Workshopteilnehmer Rendsburg Dezember 2013:

„Im Berufsalltag sehe ich mich immer wieder mit tragischen Ereignissen und schweren Schicksalen konfrontiert. Bisher konnte ich mich nur auf meine Intuition verlassen, wie ich mit den Betroffenen umgehe und auch wie ich selbst das Geschehen am besten verarbeite. Ein solcher Workshop war längst überfällig! Nun habe ich das psychologische Rüstzeug in potenziell traumatischen Situationen richtig zu reagieren. Damit kann ich nicht nur die Menschen, mit denen ich arbeite, besser schützen, sondern auch mich selbst. Eigentlich sollte dieser Workshop meiner Meinung nach eine Pflichtveranstaltung für jeden Reporter sein, der auf Menschen losgelassen wird, die Schlimmes erlebt haben.“

(Jessika Westen)

„Ich habe an dem Workshop teilgenommen, weil ich lernen wollte, worauf ich bei Interviews mit traumatisierten Soldaten stärker achten kann. Schließlich bin ich ihnen sehr dankbar, dass sie mir ihre Erlebnisse erzählen – da möchte ich den Betroffenen auf keinen Fall schaden. Dafür hat mich der Workshop sensibilisiert und einfache Handlungsempfehlungen mitgegeben, die ich sofort umsetzen kann. Genauso wichtig finde ich den zweiten Schwerpunkt des Dart Centers, Journalisten vor sekundären Traumatisierungen zu bewahren. Auch hierfür habe ich wertvolle Anregungen erhalten. Vielen Dank für das tolle Seminar!“

(Julia Weigelt)

„Für mich war der Workshop in Rendsburg auf verschiedenen Ebenen eine Bereicherung und hilfreich: Ich fand es toll, mit welcher Ernsthaftigkeit die Teilnehmer über ihre eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse in ihrem Arbeitsalltag gesprochen haben. Ein intensiver Prozess, der in dieser Art und Weise nötig ist und welcher im täglichen Medienalltag keinen Platz findet.

Die Themen Resilienz und Self-care waren mir bisher nicht so bewusst. Ich habe nach den drei Tagen in Rendsburg angefangen, mich intensiv mit meiner Situation auseinanderzusetzen, wie mich meine Arbeit als Mensch beschäftigt und herausfordert. Die Fortbildung hat mich animiert, mit Kollegen, Journalisten und Fotografen zu diskutieren und ich danke dem Dart Centre Europe und den Förderern für diese Initiative und die Impulse. Ich freue mich auf eine Weiterführung dieser Art von Fortbildung und empfehle den Besuch jedem interessierten Journalisten.“

(Michael Pfister)

„Plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, verändert sich das Leben: Für Unfall- oder Gewaltopfer, für Überfallene, tragisch Erkrankte oder auch für Hinterbliebene. Wir haben mit diesen Menschen zu tun: oft genau so plötzlich. Wir sind dann mit Tragik, Schicksal und Trauer konfrontiert – und ich nehmen etwas davon mit, jedes Mal. Zu lernen, wie man mit dem Gesehenen oder dem Mit- oder Nacherlebtem umgeht, ist überlebenswichtig, um heil durch ein langes Reporterleben zu kommen. Genauso wichtig die andere Seite: Nur wenn wir respektvoll mit Opfern, Zeugen oder Hinterbliebenen umgehen, machen wir die vielleicht schlimmste Situation in ihrem Leben nicht noch schlimmer.“

(Heinrich Buttermann)

„Journalisten haben es nicht einfach nur mit „Themen“ zu tun, sondern immer auch mit Menschen. Unsere Sorgfaltspflicht sollte sich deshalb nicht nur auf ein sauber recherchiertes und umgesetztes Thema beschränken, sondern sich auch auf den Umgang mit den Menschen beziehen. Vor allem dann, wenn sie Leid erleben oder erlebt haben – und auch wir selbst können „angesteckt“ werden und leiden. Aus diesem Grund sind Weiterbildungen, in denen Themen wie Trauer, Trauma und entsprechende Verhaltensweisen beleuchtet werden, nicht nur notwendig, sondern meines Erachtens ein MUSS für jeden Journalisten, der seine Arbeit sorgfältig verrichten möchte. Zu seinem eigenen Schutz, vor allem aber zum Schutze der betroffenen Menschen.“

(Sarah Sauer)